Hochschule Düsseldorf
University of Applied Sciences

​​
​​Interview mit Steffen Preuß ichó Systems GmbH

Wer sind Sie und was ist Ihre derzeitige Tätigkeit?

Mein Name ist Steffen Preuß, ich bin Mitgründer und Geschäftsführer der ichó systems gmbh und ich habe an der Hochschule Düsseldorf Kommunikationsdesign studiert.
Mit ichó entwickeln wir, das sind Eleftherios Efthimiadis und Mario Kascholke, einen interaktiven Therapieball für Menschen mit Demenz. Durch ichó ermöglichen wir eine spielerische Aktivierung und Förderung für demenziell veränderte Menschen und liefern Unterstützung in der Pflege. Unser Startup wurde 2018 durch die EU-Kommission im EU-Wettbewerb „Ideas from Europe“ zu einem der 10 innovativsten Startups in ganz Europa gewählt.
 

Was sind Ihre Aufgaben? Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?

In mein Aufgabengebiet fallen vor allem viele koordinatorische Aufgaben, sowie die Vernetzung zu Partnern, Investoren, Kunden und Präsentationen vom Startup auf vielen Veranstaltungen und Wettbewerben. Entscheidungen die das Unternehmen betreffen, werden eigentlich immer von allen drei Gründern beschlossen. Und so teilen wir uns auch viele Aufgaben so gut es geht untereinander auf.
Wenn Anschaffungen in der Entwicklung oder generell getätigt werden müssen, behalte ich die Budgets im Auge und stimme mich innerhalb des Projektes noch einmal ab.
Insgesamt ist es also sehr viel Verwaltung, sehr viel Korrespondenz, sehr viel auf Veranstaltungen und Wettbewerben netzwerken.
 

Was ist das Spannendste an Ihrem Job? Was gefällt Ihnen nicht so gut?

Das Spannendste ist definitiv ein eigenes Produkt zu entwickeln und direkt zu sehen wie sich Entscheidungen auf die Unternehmensentwicklung auswirken.  Wir arbeiten jetzt seit 2016 gemeinsam im Startup, anfänglich noch eher in Teilzeit neben dem Studium und unserer regulären Arbeiten und jetzt in unserem eigenen Büro mit den ersten Mitarbeitern im größeren Team und finanziert durch Investoren.
 
Am meisten Spaß macht dann die Arbeit mit den Menschen, für die wir ichó entwickeln. Also Menschen mit Demenz, aber auch Therapeuten, Pflegefachkräfte und Betreuer. Das Feedback ist einfach wahnsinnig gut und zu sehen, wie ein demenziell veränderter Mensch plötzlich aufmerksam mit ichó interagiert, ist einfach unglaublich motivierend.
 
Das was mir nicht so gut gefällt, ist das was nach außen eigentlich immer so toll aussieht. Die Reisen. Natürlich kommt man viel herum, nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern vor allem auch ins Ausland. Tallinn, Estland, Mailand, Den Haag und bald wohl auch nach Fukushima oder Tokyo… Allerdings sind das unheimlich anstrengende Reisen, die man idealerweise nur auf einen Tag (wenn möglich) legt und im Grunde nichts anderes sieht außer Flughafen, Bahnhof, Konferenzraum, Bahnhof, Flughafen. Das ist definitiv anstrengend und zieht sehr viel Zeit, die an anderer Stelle wieder eingeholt werden muss. 
 

Welche Kenntnisse und Fähigkeiten, die Sie heute im Job brauchen, haben Sie im Studium an der HSD erworben oder kennengelernt?

Das Studium in Kommunikationsdesign hat mir definitiv die Fähigkeit gegeben, Prozesse sehr genau aufzuschlüsseln, zu strukturieren und modifiziert wieder zusammenzufügen. Kreativ und flexibel an Probleme heranzutreten, ist eine Eigenschaft die sich durch das Studium weiter gefestigt hat. Natürlich ist es für jede Präsentation wahnsinnig hilfreich, dass alle Materialien gut gestaltet sind und man in der Lage ist, die Inhalte sehr genau auf die Zielgruppe abgestimmt aufzubereiten.
 

Kurioses, Lustiges, Trauriges während des Studiums - was würden Sie Ihren Kindern und Freunden erzählen?

Mit welchem wahnsinnigen Eifer wir in den ersten Semestern die gestalterischen Grundkurse bearbeitet haben und stundenlang akribisch mit Pinseln und Farben arbeiteten. Eine wirklich gute Übung und wichtige Erfahrung, die ich womöglich heute nicht mehr so durchstehen könnte. Und natürlich die Feiern mit Kommilitonen die wir ausgerichtet haben, Plattenparty und Co., das war schon richtig gut!
 

Was hat Ihnen damals geholfen, sich für Ihren Studiengang zu entscheiden? Was können Sie zukünftigen Studierenden empfehlen?

Ich absolvierte nach dem Abitur ein Praktikum in der Werbeagentur GREY in Düsseldorf und danach eine Ausbildung zum Mediengestalter. Da ich schon immer studieren gehen wollte, war für mich relativ schnell klar sich in Düsseldorf für das Studium in Kommunikationsdesign zu bewerben.
Empfehlen kann ich nur, sich nicht auf die Regelstudienzeit zu versteifen. Schaut nach links und rechts, macht Projekte mit anderen Fachbereichen zusammen. So bin ich zu meinem aktuellen Beruf gekommen, weil ich Kommilitonen kennengelernt habe, mit denen ich jetzt jeden Tag zusammenarbeite.
 

Was würden Sie unseren Studierenden raten, die den Einstieg in den Beruf noch vor sich haben?

Experimentiert und sucht euch Startups in denen ihr arbeiten könnt. Gründet vielleicht sogar ein eigenes Startup. Die Lernkurve für viele Fähigkeiten ist wahnsinnig steil, wenn man anfängt ein eigenes Produkt zu entwickeln. Außerdem ist man ziemlich schnell sehr gut vernetzt, was einem ganz neue Möglichkeiten auf dem Berufsmarkt gibt. Jeder von uns hat bereits richtig gute Arbeitsangebote erhalten, sollten wir nicht mehr unser Startup verfolgen wollen/können.
 

Was planen Sie für Ihre Zukunft?

Unser erstes Produkt auf den Markt zu bringen und ein großes Team auf die Beine zu stellen. Wir haben sehr viel mehr Arbeit als das was unser aktuelles Team gut bewältigen kann. Ergo bleiben wir weit hinter unserem Potential zurück. Außerdem planen wir weitere Forschungs-Kooperationen, nicht nur mit dem Fraunhofer und Co., sondern können uns auch einen Forschungstransfer mit der HSD vorstellen!
 

„Die Hochschule Düsseldorf ist für mich…“

Die Hochschule Düsseldorf ist für mich der Ort, an dem ich alle Grundsteine für meine Zukunft gelegt habe. Freunde, Familie, Beruf.
 

Was hätten Sie sich von der HSD gewünscht?

Der ganze Bereich Startup oder „Wie gründe ich ein Unternehmen“ kommt an der Hochschule wirklich sehr zu kurz. Je länger man sich in diesem Dunstkreis bewegt, desto mehr stellt man fest das bereits einige Kommilitonen richtig gute Produktideen hatten oder sogar als Prototyp entwickelten. Dieses Potential verschwindet aber schnell nach Projektabschluss oder der Bachelor-Abschlussarbeit in der Schublade. Hier muss mehr Förderung stattfinden, vor allem auch im interdisziplinären Austausch der Fachbereiche.
​​

+
Interview mit Sergio Ingravalle freiberuflicher Illustrator​

​​​Wer sind Sie und was ist Ihre derzeitige Tätigkeit?

Mein Name ist Sergio Ingravalle und ich bin freiberuflicher Illustrator. In Düsseldorf habe ich an der FH von 2006 bis 2011studiert und bin im Anschluß wieder in meine Heimatstadt Bielefeld gezogen. 
Einen Einblick in meine Tätigkeit gibt es auf www.maivisto.de​. 

Was sind Ihre Aufgaben; wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?

Hauptsächlich fertige Illustrationen für Werbeagenturen, Magazine und Kunden wie Coca-Cola, FC Bayern München, Adidas und Marvel an. Portraits und dynamische Illustrationen aus dem Bereich Sport und Film werden regelmässig angefragt, aber auch konzeptionelle Arbeiten in denen ein Thema visuell verstärkt oder erklärt werden soll, häufen sich in letzter Zeit.
 
Der Vorteil eines Homeoffice ist, dass ich direkt loslegen kann. Wenn möglich starte ich den Tag mit der kreativen Arbeit, da ich in den ersten Stunden schneller arbeite.
Hier zeichne ich Skizzen, grobe Entwürfe, suche Ideen und arbeite an den Aufträgen. Meistens läuft dabei ein Film wie ein Hörbuch im Hintergrund. Danach versuche ich so oft wie möglich etwas auf meinem Blog (www.sergioingravalle.de) und diversen Plattformen hochzuladen, stöbere auf Instagram nach neuen Inspirationen und beantworte Emails, bevor es mit den Illustrationen weitergeht. 

Was ist das Spannendste an Ihrem Job? Was gefällt Ihnen nicht so gut?

Das Spannendste sind die Aufträge aus aller Welt, da keiner dem anderen gleicht.
Besonders aufregend wird es, wenn der Kunde eine Idee für eine Illustration hat, auf die ich selber nicht gekommen wäre. Andreas Liedtke aus dem Fachgebiet Redaktion und Edition hatte zum Beispiel eine besonders spannende Vorstellung einer Illustration für das Magazin „Horizont“: Ein Portrait gestaltet aus handgeschriebenen Texten. Neue Techniken auszuprobieren und mit dem Kunden gemeinsam diesen Weg zu gehen gefällt mir sehr.
 
Da mir meine Tätigkeit viel Freude bereitet, vergeht die Zeit allerdings auch sehr schnell.12 Stunden oder mehr pro Tag sind dann keine Seltenheit. Ich denke sich selbst bremsen zu können, erfordert genauso viel Disziplin wie die Arbeit an sich. Das möchte ich noch besser in den Griff bekommen.

Welche Kenntnisse und Fähigkeiten, die Sie heute im Job brauchen, haben Sie im Studium an der HSD erworben oder kennengelernt?

In der HSD habe ich gelernt, wie ich persönliche Projekte unabhängig vom Lehrplan realisiere. Wenn ich zum Beispiel den Wunsch hatte an einem bestimmten Buchprojekt, an einem
Konzept für das eigene Modelabel oder an einer Illustrationsreihe zu arbeiten, waren die meisten Professoren und Lehrbeauftragte sehr offen und unterstützend.
 
Diese mehrfache, positive Erfahrung hat mich damals sehr ermutigt meinen eigenen Projekte nachzugehen, wovon ich auch heute noch profitiere. Ein Beispiel: Neben meiner Arbeit
an detaillierten Portraits und Sportillustrationen habe ich in den letzten Jahren eine Reihe von minimalistischen und persönlichen Illustrationen mit dem Namen „Mindshots“ erstellt
(www.instagram.com/maivisto​). 2017 habe ich einen Buch-Dummy mit den 50 aussagekräftigsten „Mindshots“ zusammengestellt. Damit habe ich die Frankfurter Buchmesse
besucht und schließlich einen Verlag gefunden (www.knesebeck-verlag.de/50_mindshots/t-1/720). 

Kurioses, Lustiges, Trauriges während des Studiums - was würden Sie Ihren Kindern und Freunden erzählen?

Der Tag der Eignungsprüfung bleibt für mich unvergesslich. Als ich zur Prüfung fuhr habe mich gut vorbereitet und total entspannt gefühlt – bis zu dem Moment, als ich mich in Düsseldorf komplett verfahren habe und plötzlich im tiefsten Stau in Neuss gelandet bin. Da die Bewerber nach und nach geprüft wurden hoffte ich einfach, dass ich noch nicht an der Reihe war, während ich viel zu spät schließlich ankam. Ich hatte für meine Präsentation ein großes, schweres A0-Leporello vorbereitet und rannte damit nun die Treppen hoch.
Völlig verschwitzt und gestreßt betrat ich den Raum wo unzählige Bewerber auf ihre Prüfung warteten. Unglaublich, aber genau in diesem Moment wurde mein Name aufgerufen und ich
wurde geprüft. Da ich auf der Fahrt zwischenzeitlich schon damit abgeschlossen hatte überhaupt noch teilnehmen zu können, war ich während der Prüfung einfach nur erleichtert, glücklich und konnte in völliger Entspannung meinen Vortrag halten. Ich glaube gerade das hat mit bei der Präsentation sehr geholfen.

Was hat Ihnen damals geholfen, sich für Ihren Studiengang zu entscheiden? Was können Sie zukünftigen Studierenden empfehlen?

Ich wusste, dass ich gerne etwas kreatives, visuelles studieren wollte. Da ich allerdings keine genaue Vorstellung hatte, was Kommunikationsdesign beinhaltet und welche
Berufe damit verbunden sind, haben mir besonders Gespräche mit Studierenden geholfen. Daher würde ich empfehlen die Hochschulen zu besuchen und sich ein Bild zu machen.
Viele Eindrücke erfährt man schon alleine wenn man vor Ort ist, durch Ausstellungen der Studierenden zum Beispiel. Außerdem findet man meist jemanden der gerne ein wenig
berichtet. Ich hatte damals das Glück sogar mehrere Kurse in Düsseldorf besuchen zu können. Das war für mich ausschlaggebend.

Was würden Sie unseren Studierenden raten, die den Einstieg in den Beruf noch vor sich haben?

Wenn möglich bereits während des Studiums in der Kreativbranche arbeiten, sei es z.B. in einer Werbeagentur oder als freier Designer. Ausserdem, frühstmöglich ein eigenes
Online-Portfolio erstellen und kritisch pflegen. Ein persönlicher Weblog hilft zusätzlich die persönliche Entwicklung festzuhalten und potenziellen Kunden und Agenturen einen tieferen Einblick in die eigene Vorgehensweise und zur Person zu ermöglichen. Wenn das Portfolio und der Blog dann auch auf Englisch geführt werden, vergrößert man seinen Radius sehr und man weiß nie, wer sich eines Tages draufhin meldet. ​

Was planen Sie für Ihre Zukunft?

Ich würde gerne in naher Zukunft lehrend an einer Hochschule tätig sein.

Die Hochschule Düsseldorf ist für mich ...

...eine der einflussreichsten Stationen auf meinem Weg zum Traumberuf ​

Was hätten Sie sich von der HSD gewünscht?

Ich hatte den Vorteil in einer Ausbildung zum Gestaltungstechnischen Assistenten (GTA) Grundkenntnisse in den gängigen Programmen (Photoshop, InDesign, Illustrator) zu erhalten. Ohne diese Kenntnisse hätte ich mich persönlich ein wenig verloren gefühlt, da viele Kurse diese bereits im ersten Semester vorausgesetzt haben und einige Kommilitonen dies ebenfalls bemängelten. Ansonsten war ich in der Zeit wunschlos zufrieden. 
​​​

+