Wie lebt man in einem „Tiny House“ von 14 Quadratmetern Wohnfläche – und das im Alltagsleben, nicht nur temporär im Urlaub? In Zeiten von Wohnungsknappheit, steigenden Wohnpreisen und einem zunehmenden Bewusstsein für nachhaltiges Bauen beschäftigen sich die Mitglieder der Forschungsgruppe „lilmore“ an der Hochschule Düsseldorf, Nadine Nebel, Annika Krüßmann und Philip Behrend mit dieser Frage.
Unter dem Titel „Sozial- und umweltgerecht wohnen“ haben sie eine wissenschaftliche Studie konzipiert, die untersucht, wie sich das Leben verändert, wenn man für eine begrenzte Zeit auf kleiner Fläche lebt, möglicherweise auch dauerhaft.
Der Rohbau für das Minihaus wurde nun auf dem Campus der Hochschule angeliefert – die Dienstleistung wurde seitens der Firma Smart House GmbH mit Sitz in Löhne über den Rohbau zweier lilmore-Module gespendet. Mittlerweile hat der Innenausbau begonnen. Nach dessen Fertigstellung folgt der Transport nach Jülich, wo in einer geplanten Tiny-House-Siedlung voraussichtlich im Winter 2026 der erste Proband für drei Wochen einziehen wird.
Voraussetzung für die Teilnahme an der Studie war, dass potenzielle Probandinnen und Probanden ab 18 Jahren allein leben, ihren Hauptwohnsitz in Jülich oder unmittelbarer Nähe haben und ihre Wohnung idealerweise maximal 50 Quadratmeter Wohnfläche hat. Die Nutzung als Einpersonenhaushalt muss während des Studienzeitraums weitergeführt werden. Das dahinterstehende Ziel ist, möglichst realistische Wohnbedingungen in Analogie zum bisherigen Leben zu schaffen, damit wohl unvermeidliche Veränderungen im Alltagsleben valide erfasst werden können.
Doch wie wird das Minihaus aussehen und wie lässt sich auf nur 14 Quadratmetern eine bewohnbare Raumstruktur schaffen? Hierzu erläutert Nadine Nebel: „Fenster und Tür wurden bereits von uns eingebaut. Philip Behrend aus unserem Forschungsteam plant momentan die maßgefertigten Einbaumöbel, zu denen unter anderem ein Schrankbett und eine kompakte Küchenzeile gehören. Im Folgenden fertigen wir – mit Unterstützung des Werkstattteams des Fachbereichs Architektur – die Möbel in der Holzbauwerkstatt und bauen diese anschließend in das Haus ein.“
Parallel dazu werden die weiteren Ausbauschritte vorbereitet. Dazu gehören insbesondere die Fertigstellung des Badezimmers einschließlich der Sanitäreinrichtungen sowie die Elektroinstallation. Auch diese Arbeiten werden überwiegend am Campus der Hochschule Düsseldorf durchgeführt. Währenddessen sind am künftigen Standort in Jülich bereits wesentliche Vorbereitungen abgeschlossen: Der Baugrund wurde hergerichtet, die Gründung mit Einschlagfundamenten hergestellt und die Stahlunterkonstruktion, auf der das Minihaus später stehen wird, montiert. Auch die Strom- und Wasserversorgung wurde bereits in Abstimmung mit den Stadtwerken Jülich final vorbereitet.
Sofern die verbleibenden Bau- und Montagearbeiten planmäßig abgeschlossen werden können, soll das Minihaus Anfang November nach Jülich transportiert und dort auf der vorbereiteten Unterkonstruktion aufgestellt werden. Im Anschluss erfolgen die abschließenden Arbeiten am Gebäude sowie die Gestaltung der Garten- und Außenanlagen, sodass das Minihaus voraussichtlich im Winter 2026 bezogen werden kann.
Im Mai des kommenden Jahres soll das Minihaus um ein zweites, gleich großes Hausmodul erweitert werden. Damit wächst die Wohnfläche von 14 auf 28 Quadratmeter. Die Erweiterung ist zugleich Teil des Forschungsvorhabens: Sie ermöglicht einen Vergleich des Wohnerlebens auf zwei unterschiedlich großen Wohnflächen. Zugleich wird beim Anbau des zweiten Moduls die bauliche Umsetzbarkeit und Erweiterbarkeit des modularen Baukonzepts unter realen Bedingungen untersucht.
Die begleitende Studie kombiniert Interviews mit kurzen täglichen Erhebungen. Vor dem Einzug findet ein ausführliches Gespräch zur aktuellen Wohnsituation statt, während des Aufenthalts ein kurzer Check-in und nach dem Auszug ein weiteres vertiefendes Interview. Ergänzend dokumentieren die Teilnehmenden ihren Alltag über kurze Audio-Memos sowie tägliche Mini-Befragungen zu Themen wie Platzgefühl, Schlaf und Wohlbefinden. Optional wird mithilfe eines Schritttrackers die tägliche Bewegung über mehrere Wochen hinweg erfasst – vor, während und gegebenenfalls nach dem Aufenthalt. Die Daten werden ausschließlich anonymisiert und im Rahmen der wissenschaftlichen Studie ausgewertet.
Darüber hinaus wird das Minihaus selbst wissenschaftlich untersucht. Während der Studienaufenthalte werden unter anderem Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftqualität kontinuierlich erfasst. Auf diese Weise können die subjektiven Eindrücke der Teilnehmenden mit den tatsächlich gemessenen Bedingungen im Haus in Beziehung gesetzt werden.
Weitere Informationen zur Studie sind auf der Projektseite von lilmore abrufbar.
Allgemeine Informationen zu lilmore finden sich unter https://www.lilmore.de
Fragen beantwortet das Forschungsteam per E-Mail an nebel@lilmore.de