Mit einer würdevollen Jubiläumsveranstaltung hat die Hochschule Düsseldorf (HSD) am Dienstagabend (12.05.) das zehnjährige Bestehen des Erinnerungsortes Alter Schlachthof gefeiert. Zahlreiche Gäste aus Hochschule, Stadtgesellschaft, Schulen, Gedenkstätten und der jüdischen Gemeinschaft kamen zusammen, um die Entwicklung des Erinnerungsortes zu würdigen und zugleich ein deutliches Zeichen für eine lebendige Erinnerungskultur und die Verteidigung demokratischer Werte zu setzen. Der Erinnerungsort erinnert an fast 6.000 jüdische Menschen, die während der NS-Zeit vom ehemaligen Düsseldorfer Schlachthof deportiert wurden.
„In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Erinnerungsort fest etabliert – in der Hochschule und in der Stadtgesellschaft“, betonte HSD-Präsidentin Prof. Edeltraud Vomberg in ihrer Ansprache. „Er informiert, er regt zur Auseinandersetzung an und er macht deutlich, wie verletzlich Demokratie ist. Denn wenn Erinnerung relativiert wird, gerät nicht nur die Vergangenheit aus dem Blick – sondern die Grundlage unseres demokratischen Zusammenlebens.“ Der Erinnerungsort an der Hochschule Düsseldorf sei deshalb „mehr als ein Ort des Gedenkens. Er ist ein Ort der Haltung.“
Auch Prof. Fabian Virchow, Leiter des ForschungsschwerpunktesRechtsextremismus und Neonazismus an der HSD, hob die besondere Verantwortung hervor, diesen historischen Ort würdevoll zu erhalten und die Auseinandersetzung mit der Geschichte aktiv weiterzuführen. Sowohl Vomberg als auch Virchow richteten sich deutlich gegen aktuelle Versuche rechtsextremer Kräfte, die Verbrechen des Nationalsozialismus zu relativieren. Der Erinnerungsort leiste einen wichtigen Beitrag dazu, historische Verantwortung sichtbar zu machen und demokratisches Bewusstsein zu stärken.
Ein bewegender Moment des Abends war das Grußwort des Holocaust-Überlebenden Thomas Gabelin aus Krefeld. Gabelin, der das Ghetto und Konzentrationslager Theresienstadt überlebt hat, unterstrich eindringlich die Bedeutung des Erinnerns und des Engagements für eine offene und demokratische Gesellschaft.
Im Anschluss gab der Leiter des Erinnerungsortes, Dr. Joachim Schröder, einen Einblick in die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre sowie in zukünftige Perspektiven der Erinnerungsarbeit. Besonders eindrucksvoll waren die vorgestellten Lebensgeschichten von Menschen, die mit dem Ort verbunden sind. „Diese Lebensgeschichten fließen ein in unsere Arbeit – sie machen unsere Arbeit am Erinnerungsort aus“, erklärte Schröder. In Rundgängen und Workshops würden sie Schüler*innen und Studierenden helfen, einen Zugang zur Geschichte und zu den Schicksalen der Verfolgten zu finden.
Auch zahlreiche Nachkommen von Überlebenden und Helfer*innen der NS-Verfolgten waren anwesend oder verfolgten die Veranstaltung online. So richtete George Nathan aus Atlanta/USA, Sohn der Holocaust-Überlebenden Sophie Nathan, ein Grußwort an den Erinnerungsort und würdigte die Arbeit der Beteiligten. Ebenso betonte Martha Birmaher aus Florida/USA, Enkelin der Holocaust-Überlebenden Hilde Sherman-Zander, die Bedeutung des Erinnerns für kommende Generationen.
Die große Zahl der Gäste sowie die der engagierten Beteiligten machte deutlich, wie lebendig und vernetzt die Erinnerungsarbeit am Erinnerungsort Alter Schlachthof inzwischen ist – an der Hochschule Düsseldorf ebenso wie weit darüber hinaus.